Bitte was? Ja, richtig gelesen. Dieser Satz fiel neulich im Zuge eines Kennnelerngesprächs, bei dem ich mich für eine Teilzeit-Stelle empfehlen wollte. Und ehrlich gesagt, war ich in diesem Moment kurz sprachlos. Nachdem ich mich wieder gefangen hatte, reagierte ich mit einer simplen Gegenfrage: „Wieso denn eigentlich nicht?“. Danach herrschte absolute Stille. Man konnte regelrecht spüren, wie mein Gegenüber innerlich mit sich ringen musste, um jetzt bloß nicht die falschen Worte zu wählen.
Nach kurzer Bedenkzeit folgte dann eine Antwort, die ich in etwa so kurz zusammenfassen würde: „Als Selbständiger musst du nach all den Jahren doch ziemliche Probleme damit haben, dich anzupassen, unterzuordnen und nicht mehr dein eigener Chef zu sein?“. Aua, der hat gesessen! Und nein, diese (falsche) Annahme ist definitiv kein klassischer Einzelfall. Vielmehr begegnet mir diese Fehlinterpretation in letzter Zeit immer häufiger. Im Ansatz mag ich ja noch irgendwie verstehen, warum HR-Profis diese Suggestiv-Frage überhaupt stellen. Aber im Bewerbungsprozess für eine Festanstellung immer nur zweite Wahl zu sein, mag ich nicht akzeptieren.
Weil ich als Selbständiger über Jahre hinweg gelernt habe, mich innerhalb kürzester Zeit anzupassen, einzuarbeiten und mit bereits eingespielten Teams zu harmonieren. Ich habe mich im Speedmodus auf für mich teils völlig fremde Themen und Branchen gestürzt, um als Interim fehlendes Personal zu ersetzen oder mangelndes Fachwissen zu kompensieren. Und diese Liste an Pro-Argumenten ließe sich noch unendlich lange fortsetzen. Bis aus einem Solopreneur ein:e Festangestellte:r wird, die oder der nicht selten geich drei Stellenprofile in Personalunion abdecken könnte. Doch stattdessen muss man sich immer wieder aufs Neue erklären.
Es ist also mehr als nur an der Zeit, dass freischaffende Menschen und deren Arbeit endlich ins richtige oder in ein gänzlich neues Licht gerückt werden. Als Spezialist:innen, Anpassungsprofis oder meinetwegen auch als „eierlegende Wollmilchsäue“. Hauptsache wir werden als vollwertige Arbeitskräfte bewertet – ganz gleich ob auf eigene Rechnung oder mit monatlichem Lohnzettel.