Ja und? That’s life oder vielmehr das harte business life! Erst kürzlich hat Karolina Grzesiak auf die Tatsache hingewiesen, dass auf LinkedIn kaum jemand über Misserfolge oder das Scheitern spricht. Vor allem bei Selbständigen scheint es nicht gerade en vogue zu sein, wirtschaftlich schwierige Phasen zu kommunizieren.
Zu schwer wiegt offenkundig der Makel, als fehlbar zu gelten und zu wenig oder gar kein Business zu generieren. Verglichen mit der leidigen Debatte über den Hashtag#opentowork-Frame im Profilbild bei LinkedIn, sind Gewinneinbrüche oder gescheiterte Kooperationen offenkundig ein noch viel geschäftsschädigender Move für Freelancer:innen. Dabei ist es doch durchaus menschlich und weitaus näher an der Realität, auch mal über schlechte Phasen zu sprechen. Selbst freelancermap (D/A/CH) verweist auf den Rückgang von Stundensätzen und identifiziert aktuell eine recht volatile Auftraglage. Warum? Weil isso!
Wann haben wir eigentlich damit angefangen, immer nur über Gewinnmaximierung, Wachstum und dauerhafte Erfolge zu sprechen?
Und seit wann werden Konsolidierungsphasen, Umsatzrückgänge oder einfach nur die schlechte Auftragslage fortwährend als Makel gegeißelt? Ich für meinen Teil war und bin schon immer ein Verfechter maximaler Transparenz – sei es im Berufsalltag oder im Privatleben. Wenn etwas 💩 läuft, muss man es auch klar benennen, um gegensteuern und Lösungen suchen oder besser noch finden zu können.
Für mich war und ist es immer schon deutlich hilfreicher, wenn ich möglichst offenes Feedback anderer bekomme, denen es vielleicht genauso ergeht. Denn so lässt sich die Auftragsflaute bzw. die persönliche Misere in der Regel aus einer neuen Perspektive betrachten. Und ganz wichtig: Man fühlt sich nicht so einsam mit seinen beruflichen oder privaten Problemen. Was ist also der Königsweg: Klare Kante und maximale Transparenz durch offenen Austausch oder doch lieber Rolex-Geblubber und weggeworfene MacBooks nach dem „Baulig-Prinzip“?